Irland im Fokus: Hoher Bedarf trifft auf stabiles System
Das macht den irischen Pflegesektor für Investoren jetzt so attraktiv.
Irland gilt wirtschaftlich als eines der dynamischsten Länder Europas und wird auch als „Keltischer Tiger“ bezeichnet. Ein hohes Bildungsniveau, stabile Haushaltslage und kontinuierliches Bevölkerungswachstum prägen das Bild. Dabei steht das Land vor einer demografischen Herausforderung, die zugleich eine klare Investitionslogik für den Pflegesektor eröffnet. Im europäischen Vergleich ist Irland eines der Länder mit der jüngsten Bevölkerung. Der demografische Wandel, wie er in vielen anderen Teilen Europas bereits deutlich spürbar ist, steht Irland noch bevor.
Laut dem irischen Statistikamt CSO wird die Gesamtbevölkerung bis 2057 auf bis zu 6,4 Millionen anwachsen. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt die Einwohnerzahl in 2025 bei 9,11 Millionen Menschen, in Norwegen bei 5,6 Millionen. Besonders auffällig ist die Entwicklung in den höheren Altersgruppen: So wird die Zahl der über 65-Jährigen bis 2057 um 141 % steigen.
Diese Entwicklung erzeugt einen deutlich steigenden Pflegebedarf. Schon heute ist in weiten Teilen Irlands eine Vollauslastung der stationären Einrichtungen zu beobachten. Im Jahr 2024 erreichte die durchschnittliche Auslastung der Pflegeeinrichtungen mit 92,3 % den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Dies unterstreicht die steigende Nachfrage nach Pflegeplätzen und weist auf die Notwendigkeit der Kapazitätserweiterungen hin. IMMAC research schätzt, dass bei gleichbleibenden Pflegequoten bis zum Jahr 2057 etwa 33.000 zusätzliche Pflegeplätze benötigt werden, um den Bedarf zu decken- ein Plus von knapp 75 % gegenüber dem heutigen Stand.
Ein zentraler Faktor für die Attraktivität des Pflegemarkts Irland aus Investorensicht ist das sogenannte „Fair Deal“-System. Der Nursing Homes Support Scheme (NHSS) ist ein staatlich reguliertes Refinanzierungsmodell, das Pflegebedürftige bei den Kosten stationärer Betreuung unterstützt. Die Finanzierung erfolgt durch einkommens- und vermögensabhängige Beiträge der Pflegebedürftigen sowie einen staatlichen Zuschuss. Im Jahr 2023 nutzten 69 % aller Pflegeheimbewohner die staatlich geförderte Finanzierung über die sogenannte Fair Deal Rate. Betreiber erhalten planbare Vergütungssätze über den National Treatment Purchase Fund (NTPF). Zahlungen durch öffentliche Stellen erfolgen in der Regel innerhalb von 30 Tagen. Dieses transparente und liquide Modell schafft für Investoren ein verlässliches Umfeld mit kalkulierbaren Cashflows.
Auch auf Seiten der Betreiber hat sich der Markt in den letzten Jahren konsolidiert. Immer mehr Einrichtungen werden von professionellen Pflegegruppen geführt, die eine einheitliche Qualitätssicherung und betriebliche Effizienz ermöglichen. Die Beechfield Care Group, unter anderem Betreiberin des Pflegeheims „Bethany House“ im County Westmeath, ist ein Beispiel für diese Entwicklung. Als Partnergesellschaft der IMMAC group vereint sie über 45 Jahre Branchenerfahrung mit dem Vorteil der vertikalen Integration. Das bedeutet: Eigentum und Betrieb sind organisatorisch miteinander verzahnt, was stabile Abläufe und ein hohes Maß an Kontrolle über Qualität und Wirtschaftlichkeit erlaubt.
Für institutionelle und semiprofessionelle Anleger bietet der Pflegemarkt Irland somit eine interessante Kombination: eine wachsende und alternde Bevölkerung, ein struktureller Versorgungsrückstand, ein staatlich unterstütztes Refinanzierungssystem und eine zunehmende Professionalisierung der Betreiberlandschaft. Gleichzeitig ist der Marktzugang nicht beliebig skalierbar – regulatorische Anforderungen und lokale Marktkenntnis stellen hohe Hürden dar, die nur erfahrene Anbieter mit bestehender Infrastruktur sicher überwinden können.
Angesichts der demografischen Entwicklung, des stabilen regulatorischen Rahmens und der verlässlichen Refinanzierungsstrukturen bietet der irische Pflegemarkt langfristig attraktive Investitionschancen. Wer sich frühzeitig mit den Besonderheiten des Marktes vertraut macht und auf lokale Expertise setzt, kann von einem nachhaltig wachsenden Sektor mit stabilem Ertragspotenzial profitieren.
Ein Beitrag von Katharina Wöbke, Leitung IMMAC research (Juli 2025)
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