Interview mit der Johanniter Seniorenhäuser GmbH

„Für einen bundesweiten Träger ist das föderale System eine hohe Belastung.“

Lutz Gebhardt ist Mitglied der Geschäftsführung der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, des drittgrößten gemeinnützigen Trägers in Deutschland. Für das bundesweit agierende Unternehmen liegen die Herausforderungen derzeit verstärkt in den länderspezifischen Heimverordnungen und mangelndem Fachpersonal.

Lutz-Gebhardt

Hintergrund zur Johanniter Seniorenhäuser GmbH

Die Johanniter Seniorenhäuser GmbH ist eine der größten gemeinnützigen Träger in Deutschland. Für das bundesweit agierende Unternehmen liegen die Herausforderungen derzeit verstärkt in den länderspezifischen Heimverordnungen und mangelndem Fachpersonal.

    • Gründung: 2008
    • Mitarbeiter*innen: 7.577
    • Art: gemeinnütziger Träger
    • Standorte: 94 Altenpflegeeinrichtungen, 2 Hospize bundesweit
    • 7.891 stationäre Pflegeplätze

IMMAC: Herr Gebhardt, die Johanniter sind der Sozialwirtschaft als ein moderner kirchlicher Träger etabliert. Mit den stationären Altenpflegeeinrichtungen, betreuten Wohnungen, Wohngruppen, ambulanten Diensten, Tagespflege- als auch Hospizplätzen pflegen Ihre Mitarbeiter bundesweit alte und pflegebedürftige Menschen. Und das 24 Stunden am Tag. Mit welchen Herausforderungen sehen Sie Ihre operativen Tätigkeiten aktuell konfrontiert?

Lutz Gebhardt: Seit Beginn der Pandemie liegt die größte Herausforderung in der Absicherung unserer Dienstpläne. Nur eine auskömmliche Personalbesetzung sichert unseren Mitarbeitenden ein belastungsfreies Arbeiten und unseren Bewohnern eine sichere Leistungserbringung zu. Die Herausforderungen sind jedoch vielfältiger, beginnend in der demografischen Entwicklung im Einzugsbereich unserer Einrichtungen, dem zukünftigen Bestand an Mitarbeitenden, an Ärzten und Therapeuten vor Ort. Aber auch die finanziellen Belastungen für unsere Bewohner durch die z.B. ansteigenden Heiz-, Energie und Lebensmittelkosten sind in Ihren Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus ist uns ein nachhaltiges Handeln als christlicher Träger ein sehr wichtiges Anliegen. Dieses erfordert zahlreiche Maßnahmen, damit wir im Gesundheitswesen einen wirkungsvollen Beitrag z.B. zur CO2-Absenkung leisten können.

 

IMMAC: In der stationären Pflege erhalten die Betriebe Zuschüsse durch die Pflegekassen und werden im föderalen System auf Landesebene verhandelt. Wie beurteilen Sie dies vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen in der Pflegewirtschaft?

Lutz Gebhardt: Für einen bundesweiten Träger, da sage ich sicherlich nichts Neues, ist das föderale System eine hohe Belastung. Auch in Gesprächen mit Angehörigen ist diesen nicht begreiflich zu machen, wieso z.B. die Personalschlüssel in Nord und Süd so unterschiedlich sind oder sich Regelungen zum Infektionsschutz sogar zwischen den Bezirken der Gesundheitsämter unterscheiden. Wir fangen dies durch unsere in Deutschland verteilten Regionalzentren auf und unterstützen unsere Häuser bei den zahlreichen und sich stets ändernden Vorgaben.

 

IMMAC: Das Nachrichtenmagazin "FOCUS" hat Sie im Jahr 2022 erneut als einen der besten Arbeitgeber im Bereich Gesundheit und Soziales ausgezeichnet. Doch sind Ihre zahlreichen Mitarbeiterbenefits ausreichend für die Bindung von Fachkräften oder welche zusätzlichen Instrumente erwünschen Sie sich auch auf politischer Ebene?

Lutz Gebhardt: Durch unsere eigenen Arbeitsvertragsrichtlinien sind wir in der Lage diese stets an die notwendigen Gegebenheiten anzupassen. Dies tun wir gemeinsam mit unserer Dienstnehmerseite in den Sitzungen der Arbeitsrechtlichen Kommission. Hier bewerten wir auch unsere Benefits für Mitarbeitende regelmäßig und passen diese an, so dass wir z.B. auch für junge Mitarbeitende ein attraktiver Arbeitgeber bleiben. Hinsichtlich der Politik freue ich mich darüber, dass nun endlich mit dem §113c die unnötige und unflexible 50/50 Fachkraftquote abgeschafft wird. Eine längst überfällige Maßnahme, die hoffentlich auch in Bezug des Qualifikationsniveaus von Pflegehilfskräften (mit und ohne Ausbildung) so gestaltet wird, dass hier keine überbordenden Prüfungen erforderlich sind. Bedauerlich ist auch hier, dass jedes Bundesland in der Qualifikation und Schulung der Pflegefachassistenten beginnt eigene Curricula mit unterschiedlichen Ausbildungszeiten von 12 bis 24 Monaten aufzubauen.

Artikel vom August 2023

 

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